International
Gift in Babymilch offenbart strukturelle Probleme
Mirko Pluess
Cereulid-Verunreinigung durch chinesischen Zulieferer. Novel-Food-Zulassung versagt. 60+ Länder mit Rückrufen.
Florenz verbietet Werbung für klimaschädliche Produkte
Virginia Kirst
SUV-, Kreuzfahrt- und Flugreisenwerbung verboten. Nach Amsterdam, Edinburgh, Stockholm.
Trumps Visa-Regeln schaden New Yorks Tourismus
Marie-Sophie Müller
Besucherschwund −4,2%. Social-Media-Offenlegung der letzten fünf Jahre gefordert. Kanada boykottiert.
FCAS-Kampfjet scheitert
Markus Bernath
3 Mrd. Euro für Planungsstudien verbrannt. Airbus vs. Dassault unversöhntlich. Europa produziert 14 Panzertypen, 24 Artilleriesysteme, 15 Kampfjets.
Grönlands Hundeschlittenpatrouille
Frederik Tillitz
Sirius-Patrouille: 12 Männer, 69 Schlittenhunde, minus 50 Grad. NATO-Mission «Arctic Sentry» als Signal an Washington.
Ukrainische Deserteure erzählen
Lieselotte Hasselhoff
50'000 Verfahren wegen Fahnenflucht. Drei Schicksale: Serhi (44), Anton (27), Iwan (33).
Schweiz
Französische Alternative zu US-Patriots
Georg Humbel, Hannes Boos
Eurosam bietet Mamba-System, Lieferung bis 2029. 700 Mio. Anzahlung bereits geleistet. Ausstieg wäre geopolitisches Signal.
Die Mullahs von Schlieren
Ladina Triaca
Iran besitzt Moschee im Kanton Zürich. Leiter leitete in DE ein wegen Extremismus verbotenes Zentrum.
Individualbesteuerung: Projekt für Privilegierte?
Gina Bachmann
Abstimmung 8. März. Gewerkschaften kritisch, 630 Mio. Steuerausfälle. SP-Sektionen Neuenburg und Glarus sagen Nein.
Klimafonds-Initiative hat schweren Stand
Stefanie Pauli
60% dagegen. Bürgerliches Pro-Komitee versucht Totalflop zu verhindern. Initiative verlangt 9 Mrd./Jahr.
Schulen werden zum Spielsalon
Gina Bachmann
Lern-Apps wie Anton mit Suchtcharakter. Kinderpsychiaterin warnt: Kinder lösen Aufgaben unter Niveau für schnelle Münzen.
Debatte
Das Gute an der grossen Zerstörungswut
Gordana Mijuk
Trump als Symptom, nicht Ursache. «Wrecking ball politics». Angst könnte heilend sein — wenn Europa seine Demokratien repariert.
Rojava: Ende einer Utopie
Sebastian Backhaus, Karin A. Wenger
Kurdisches Feministenprojekt vor dem Aus. Realität war komplexer als die westliche Projektion.
Ian Bremmer: «Trump ist nicht kompetent genug»
Alain Zucker (Interview)
Trump wird scheitern: Verliert Zwischenwahlen, Gegenwehr von Gerichten, zu undiszipliniert. China als Hauptprofiteur.
Europa als Topfpflanze
Andreas Roedder
Von der Eiche zur Topfpflanze in 100 Jahren. Mangel an Innovation, demografischer Wandel. Aber: kein Naturgesetz.
Nachrufe
James Sallis (81)
Urs Tremp
«Drive»-Autor, «der beste Krimiautor, von dem Sie nie gehört haben».
Karl Lüeönd (80)
Prägende Figur der Schweizer Medienwelt. Blick-Chefredakteur, Zürcher Journalistenpreis für Lebenswerk.
Cees Nooteboom (92)
Niederländischer Schriftsteller. «Rituale» (1980). Auf Menorca gestorben.
Leseempfehlungen
Ian Bremmer: «Trump ist nicht kompetent und diszipliniert genug»
Alain Zucker (Interview)
Beste Geopolitik-Analyse der Woche
Ian Bremmer prognostiziert trotz Trumps Disruption dessen Scheitern. Die Epstein-Akten schaden ihm nachhaltiger als frühere Skandale, weil sie sein zentrales Versprechen untergraben: den Sumpf trockenzulegen. Stattdessen ist er selbst Teil der «Epstein-Klasse» und schützt Komplizen. Trump wird an drei Faktoren scheitern: Er verliert die Mehrheit im Repräsentantenhaus, stösst auf Gegenwehr der Bundesstaaten und Gerichte, und ihm fehlt die Disziplin für eine echte Revolution. Seine Abhängigkeit von reichen Beratern, die an Profit statt Systemwechsel interessiert sind, bremst ihn. Die neue Weltordnung wird multipolar: wirtschaftlich dominieren USA, China, Indien und EU; militärisch die USA; technologisch setzen private Konzerne die Regeln. Im KI-Wettlauf liegt China bei Robotik vorn, die USA bei Halbleitern — ohne Regulierung droht ein gefährliches Wettrüsten. Bremmer sieht die Disruption letztlich als notwendig, weil das alte System nicht auf Klimawandel, neue Technologien oder Chinas Aufstieg reagieren konnte.
Haben wir genug von Social Media?
Nicole Althaus, Patrizia Messmer
Direkt relevant für Agentur- und Kommunikationsstrategien
Social Media haben ihren Höhepunkt überschritten — sieben Gründe: (1) Seit 2012 wurde das Vernetzungsversprechen durch Monetarisierung ausgehöhlt. (2) Algorithmen kuratieren seit 2016 Feeds nach Verweildauer statt chronologisch. (3) Auf Facebook stammen nur 17%, auf Instagram nur 7% der Inhalte von eigenen Kontakten — 83–93% sind Werbung, Influencer oder KI-generierter «Slop». (4) Endloses Scrollen spricht das Belohnungszentrum an; Studien belegen negative Folgen für Körperbild, Schlaf, Angststörungen. (5) Meta und Musk schraubten Fact-Checking zurück. Länder reagieren mit Altersverboten — eine Kapitulation. (6) Byung-Chul Han spricht vom «Terror der Sichtbarkeit»; personalisierte Feeds führen zu digitaler Isolation. (7) Nutzerzahlen sinken (DE: Teenager auf Instagram/TikTok −12%), 3000 Klagen in Kalifornien wegen Sucht-Algorithmen, Offline-Clubs boomen. Der kollektive Kater könnte das Ende unreflektierter Nutzung markieren.
Economiesuisse hat die Wirtschaft verloren
Guido Schätti
Spontane Netzwerke schlagen Verbände
Economiesuisse hat nicht nur die Bevölkerung verloren (13. AHV-Rente), sondern nun auch die Wirtschaft selbst: Kein Spitzenmanager war bereit, das Präsidium zu übernehmen. Silvan Wildhaber springt ein — ein weitgehend unbekannter Textilunternehmer. Beim wichtigsten Ereignis der letzten Jahre — dem Zoll-Deal mit den USA — spielte der Verband keine Rolle. Ein Zuger und vier Genfer Unternehmer holten mit ihrer Goldbarren-Offensive die Kastanien aus dem Feuer und stimmten Trump gnädig. In der turbulenten Gegenwart sind spontane Netzwerke und persönliche Beziehungen wichtiger als schwerfällige Verbandsstrukturen. Wenn es darauf ankommt, ist die Schweizer Wirtschaft auch ohne Economiesuisse handlungsfähig.
FCAS-Kampfjet: Die Schwätzer
Markus Bernath
Lehrbeispiel für gescheiterte Grossprojekte
Europas grösstes Rüstungsprojekt ist gescheitert. 2000 Ingenieure und über 3 Milliarden Euro für Planungsstudien waren umsonst. Airbus Defence und Dassault Aviation streiten unversöhntlich: Dassault besteht auf technischer Führerschaft («besserer Athlet»), während Airbus nur Drohnen bauen soll. Hinter dem Streit steht ein ideologischer Konflikt: Frankreichs Neogaullismus gegen den EU-Binnenmarkt. Dassault-Chef Trappier, politisch dem Rassemblement National nahestehend, lehnt Überstimmung ab; Macron kann ohne Parlamentsmehrheit nicht durchregieren. Politiker verkünden europäische Projekte, dann streiten Unternehmen über Aufteilung und Arbeitsplätze — nationaler Egoismus gegen europäischen Pathos. Europa produziert weiter 14 Panzertypen, 24 Artilleriesysteme, 15 Kampfjetmodelle — Zersplitterung statt Synergien.
Europa als Topfpflanze
Andreas Roedder
100 Jahre europäischer Abstieg in einem Essay
Vor hundert Jahren beherrschte Europa die Welt. Der Aufstieg gelang im 18. Jahrhundert durch die «europäische Fortschrittsmaschine»: Aufklärung, Industrialisierung, Naturwissenschaften, Rechtsstaat, Markt und Wettbewerb. Doch die überschiessende Dynamik schlug um: «Wir wollen den Krieg verherrlichen», schrieb Marinetti 1909. Zwei Weltkriege beendeten Europas Dominanz. 1989 schien die Stunde Europas gekommen, die EU als Vorbild globaler Ordnung. Die Lissabon-Strategie 2000 («wettbewerbsfähigster Wirtschaftsraum der Welt») blieb Illusion wie Marinettis Futurismus. Heute: Mangel an Innovation, demografischer Wandel, Mehrebenensystem verhindert Reformen. Resultat: «Topfpflanzen in der dritten Reihe», so Wolfgang Ischinger. Aber: Auch das ist kein Naturgesetz mit Ewigkeitsgarantie.
Schulen werden zum Spielsalon
Gina Bachmann
Gamification-Kritik, relevant für UX-Design und Engagement-Ethik
Lern-Apps wie Anton verwandeln Schweizer Schulen in digitale Spielsalons. Die App belohnt Aufgaben mit Münzen, Avataren und Games — Kinder rasen durch Übungen, nur um zu gamen. Neurowissenschaftlerin Barbara Studer beobachtete bei ihrem Sohn: Lernen geriet aus dem Fokus. Der Grund: Dopamin-Kicks durch Belohnungen; gewöhnt man sich daran, fällt intrinsische Motivation schwer. Kinderpsychiaterin Dita von Aster warnt vor Suchtcharakter: Kinder lösen Aufgaben unter ihrem Niveau für schnelle Münzen, konzentrieren sich auf normale Hausaufgaben nicht mehr. Übermässiges Lob («Astrein, monstermaessig!») verliert seine Wirkung. Dänemark entschuldigte sich 2023 dafür, Kinder zu «Versuchskaninchen in einem digitalen Experiment» gemacht zu haben. Von Aster plädiert für Zurückhaltung: «Wenn Kinder zerstreut sind, haben sie oft einfach zu viel Bildschirmzeit.»