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Montag, 23. März 2026 · Neue Zürcher Zeitung · 20 Seiten
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Montag, 23. März 2026

Neue Zürcher Zeitung · 20 Seiten
Iran-Krieg (Titelseite & Seiten 2–5)

Mit seinem Ultimatum gegen Teheran setzt Trump sich selbst unter Druck

48-Stunden-Ultimatum an Iran, Hormuz-Blockade, Raketenangriffe. Trump erhöht den Einsatz, doch das Ultimatum schafft auch Handlungszwang für Washington selbst.

Es bleibt nur Eskalation oder Niederlage

Christian Weisflog
Trumps Ultimatum lässt nur zwei Ausgänge: weitere Eskalation oder Gesichtsverlust. Drei mögliche Bodenoperationen werden durchgespielt – Kommandoeinsätze, Küstenbesetzung oder eine hochriskante Teilinvasion der Insel Kharg. Jede Option birgt erhebliche Risiken.

Washington gibt Teheran eine Frist

Daniel Böhm, Rewert Hoffer
Iranische Energieinfrastruktur rückt als Ziel ins Zentrum der US-Strategie. Hormuz-Blockade treibt den Ölpreis. Berichte aus Dubai und Beirut über die regionalen Auswirkungen des Ultimatums.

«Dies ist Europas Krieg»

Benedict Neff (Interview mit John Bolton)
Der ehemalige US-Sicherheitsberater (77) attestiert Trump, keinen Plan zu haben. Regimewechsel sei die einzige Option gegen das Ayatollah-Regime. Bolton sieht Zusammenhänge zwischen Iran-Krieg, Ukraine-Konflikt, Atomwaffen, China und Russland – und fordert Europa auf, sich stärker zu engagieren.
International (Seite 2)

Die CDU siegt in Rheinland-Pfalz

Susann Kreutzmann
Nach 35 Jahren SPD-Herrschaft gewinnt die CDU die Landtagswahl: CDU ~31%, SPD ~26%, AfD drittststärkste Kraft (~20%). Gordon Schneider wird neuer Regierungschef. FDP und Linke abgeschlagen, Grüne bei 8%.

Vom Vietnam-Helden zu Trumps Prügelknaben

Christian Weisflog
Nachruf auf Robert Mueller (81): FBI-Direktor, Sonderermittler in der Russland-Affäre, Vietnam-Veteran. Ein Leben zwischen Staatsdienst und politischer Vereinnahmung.

US-Bürger an der Spitze von Kartell in Mexiko

Thomas Milz
Das CJNG hat einen neuen Anführer: Juan Carlos Valencia González, ein US-Bürger. Ein ungewöhnlicher Fall an der Spitze eines der mächtigsten mexikanischen Drogenkartelle.
NZZ Pro (Seite 6)

Israel verfolgte Khamenei mit gehackten Kameras

Lukas Mäder
Geheimdienste nutzen gehackte Videokameras zur Überwachung. Israels Unit 26165 setzte die Technik gegen Irans obersten Führer ein. Auch in der Ukraine wird Spionage über kompromittierte Kameras betrieben – als Ergänzung zur Satellitenaufklärung.
Schweiz (Seiten 7–9)

Bund lockert Regeln für Verwendung des Schweizerkreuzes

Thomas Schlittler
Das IGE passt seine Praxis an und erleichtert insbesondere On Schuhe die Nutzung des Schweizerkreuzes. Hintergrund sind Swissness-Durchsetzung und der China-Konflikt.

Bundesrat lässt Zuwanderungsfrage offen

Katharina Fontana
Die Schubert-Praxis bleibt umstritten: Freizügigkeitsabkommen gegen Landesrecht, Ständemehr als Schlüsselfrage. Der Bundesrat vermeidet eine klare Positionierung.

Schweiz plant Maut auf Transitstrecken – nur für Ausländer

Zeno Geisseler
Geplante Durchfahrtsgebühr für ausländische Fahrzeuge: durchschnittlich CHF 21, geschätzte Einnahmen von 110 Mio. Franken. Nur Transit, nur Ausländer.

«Das Wallis muss kritikfähiger werden»

Matthias Sander (Interview mit Marie-Claude Schöpfer)
Die Walliser Grossrätin über die politische Aufarbeitung der Brandkatastrophe von Crans-Montana: 10 Mio. Soforthilfe stehen 800 Mio. Schadenkosten gegenüber. Die Opferfamilien wollen, dass die Politik Farbe bekennt.

Mehr EU, mehr Nato, weniger Neutralität

Georg Häsler
«Chancenbarometer»-Studie von Sotomo und Stiftung Strategiedialog 21: Die Schweizer Bevölkerung wünscht sich eine offenere Sicherheitspolitik und mehr Kooperation mit EU und Nato.

Petition für Hilfe in Lebenskrisen – Krankenkassen sollen zahlen

Simon Hehli
7 500 Unterschriften fordern die Aufnahme psychosozialer Beratung (PSB) in die Grundversicherung. Unterstützung bei Lebenskrisen soll Kassenleistung werden.
Zürich und Region (Seiten 11–13)

Chirurgengesellschaft attackiert Natalie Rickli

Jan Hudec
Streit um Ösophagusresektion: Die Chirurgengesellschaft greift Gesundheitsdirektorin Rickli an. Im Zentrum steht die hochspezialisierte Medizin (HSM) am Kantonsspital Winterthur.

Traditionsverein will Leichtathletik-Halle mitfinanzieren

Tobias Marti
Der LCZ will 21 Mio. Franken für eine Leichtathletik-Halle auf dem Letzigrund-Areal beisteuern.

«Ben ist gut so, wie er ist»

Francesca Prader, Karin Hofer
Reportage aus dem Kinderhospiz Flamingo in Fällanden: Stefanie und Nicolas Urwyler über das Leben mit ihrem Sohn Ben, der am Wolf-Hirschhorn-Syndrom leidet.

Wegen Wuchers verurteilt

Tom Felber
Ein 21-jähriger Deutscher wird wegen eines Handwerker-Notdienstes verurteilt: dreifacher Preis, kriminelle Organisation.

Robotikfirma expandiert

Amazon übernimmt Rivi, ein ETH-Spin-off für Robotik im Lieferdienstbereich.
Sport (Seiten 14–15)

Ein Weltrekord, der Lust auf mehr macht

Eva Breitenstein
Simon Ehammer gewinnt Gold im Siebenkampf an der Hallen-WM mit 6 670 Punkten und bricht den 14 Jahre alten Weltrekord.

Der Zürcher Fussball – im Keller vereint

Peter B. Birrer, Stephan Ramming
FCZ, GC und Winterthur stecken alle in Abstiegsgefahr. Eine ungewöhnliche Konstellation im Zürcher Fussball.

«Den Gedanken, noch das oder das erreichen zu müssen, habe ich nicht mehr»

Nadine Gerber (Interview mit Alex Frei)
Der U-21-Nationalcoach über seine Motivation, seine Karriere und das Loslassen von Ambitionen.
Panorama (Seite 16)

Ein Bordell im Riegelhaus

Niels Bossert
Sexgewerbe im Dorfzentrum von Thayngen: 600 Personen unterschreiben eine Petition dagegen.

Mit Blaulicht und Martinshorn geblitzt und gebüsst

Renato Schatz
Kuriosität aus Sachsen: Ein Feuerwehrmann wird in Taucha trotz Einsatzfahrt geblitzt und gebüsst.

Lawinenunglück in Südtirol

dpa
Mindestens zwei Tote bei einem Lawinenabgang. Skifahrer betroffen.
Meinung & Debatte (Seiten 17–19)

China will Tech-Nation Nummer eins werden

Matthias Kamp
Xi Jinpings Fünfjahresplan setzt auf Autarkie: Pony.ai fährt autonome Autos, die Technologieoffensive läuft auf Hochtouren. Doch die Konsumbremse hemmt das Wachstum.

Europa muss bei der Energie aufrüsten

Franz R. Hahn (Gastkommentar)
Die Gaskrise 2022 hat gezeigt, wie verwundbar Europas Energieversorgung ist. Hahn fordert eine entschlossene Energiesicherheitspolitik.

KI und die Architektur des Wohlstands

Winfried Koeniger, Martin Kolmar (Gastkommentar)
KI-bedingte Erwerbslosigkeit könnte die institutionelle Konstruktion moderner Marktwirtschaften grundlegend verändern. Die Autoren analysieren die volkswirtschaftlichen Konsequenzen.

Leserbriefe

Martin Saxer zum Umstieg auf E-Mobilität und Energiepolitik. Ariel Wyler zur Neutralitätsinitiative. Redaktion: «An unsere Leserschaft».

Leseempfehlungen

«Dies ist Europas Krieg»

Benedict Neff (Interview mit John Bolton)
Das schonungsloseste Interview zur Iran-Krise – von einem, der die US-Machtmaschinerie von innen kennt
John Bolton, 77 Jahre alt und ehemaliger Sicherheitsberater unter Trump, nimmt im Gespräch mit Benedict Neff kein Blatt vor den Mund. Trump habe «keinen Plan» für Iran – das Ultimatum sei typisch für einen Präsidenten, der Eskalation als Verhandlungstaktik begreife, ohne die Konsequenzen durchzudenken. Boltons eigene Antwort ist radikal: Nur ein Regimewechsel könne das Ayatollah-Regime dauerhaft neutralisieren. Er verweist auf die Strassenproteste im Iran als Beweis, dass die Bevölkerung bereit sei. Besonders aufschlussreich sind die Verbindungslinien, die Bolton zieht: Der Iran-Krieg sei nicht isoliert zu betrachten, sondern hänge direkt mit dem Ukraine-Konflikt, Chinas Taiwanplänen und Russlands Atomdoktrin zusammen. Europa müsse begreifen, dass dies «sein Krieg» sei – eine Forderung, die angesichts der europäischen Zögerlichkeit bei der Hormuz-Frage besonders brisant wirkt.

Es bleibt nur Eskalation oder Niederlage

Christian Weisflog
Nüchterne militärische Analyse der drei Optionen, die Trump nach dem Ultimatum bleiben
Weisflog dekonstruiert das 48-Stunden-Ultimatum als strategische Sackgasse: Trump hat sich selbst unter Zugzwang gesetzt. Der Artikel skizziert drei mögliche Bodenoperationen mit steigendem Risiko. Variante eins: gezielte Kommandoeinsätze gegen iranische Raketenstellungen an der Küste – begrenzt wirksam, da Iran über Tausende verstreute Abschussrampen verfügt. Variante zwei: Besetzung eines Küstenstreifens am Persischen Golf, um die Raketenbedrohung für die Schifffahrt zu reduzieren – logistisch anspruchsvoll und politisch kaum vermittelbar. Variante drei: die Einnahme der Insel Kharg, über die rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte laufen. Eine solche Teilinvasion wäre das hochriskanteste Szenario, könnte aber den wirtschaftlichen Druck auf Teheran massiv erhöhen. Weisflog macht deutlich: Keine dieser Optionen führt zu einem schnellen Erfolg, und jede birgt die Gefahr einer unkontrollierbaren Eskalation.

Israel verfolgte Khamenei mit gehackten Kameras

Lukas Mäder
Faszinierende Recherche an der Schnittstelle von Geheimdienst, Technologie und modernem Krieg
Mäder enthüllt, wie Geheimdienste kommerzielle Videokameras – Überwachungskameras, Webcams, Verkehrskameras – systematisch hacken und als Spionageinstrumente nutzen. Israels Unit 26165 hat diese Methode gegen den iranischen Obersten Führer Khamenei eingesetzt: über kompromittierte Kameras in seinem Umfeld konnten Bewegungsmuster und Aufenthaltsorte rekonstruiert werden. Die Technik ergänzt die klassische Satellitenaufklärung um eine bodennahe Perspektive, die Satelliten nicht liefern können. Auch in der Ukraine wird die Methode angewandt – beide Seiten nutzen gehackte Kameras zur Aufklärung gegnerischer Stellungen. Der Artikel wirft grundlegende Fragen auf: Jede vernetzte Kamera ist ein potenzielles Spionagegerät, und die meisten Hersteller investieren zu wenig in Sicherheit.

Die CDU siegt in Rheinland-Pfalz

Susann Kreutzmann
Das Ende einer Ära – 35 Jahre SPD-Dominanz in Mainz sind Geschichte
Kreutzmann ordnet den historischen Machtwechsel in Rheinland-Pfalz ein. Die SPD, die das Bundesland seit 1991 ununterbrochen regiert hatte – zuerst unter Rudolf Scharping, dann Kurt Beck, Malu Dreyer und zuletzt Alexander Schweitzer –, verliert ihre Bastion. Die CDU unter Gordon Schneider erreicht rund 31 Prozent und wird stärkste Kraft. Die SPD fällt auf etwa 26 Prozent. Bemerkenswert ist die Stärke der AfD als drittstärkste Kraft mit rund 20 Prozent – ein Signal dafür, dass die Partei auch in westdeutschen Flächenländern zur festen Grösse wird. FDP und Linke spielen kaum noch eine Rolle, die Grünen stabilisieren sich bei 8 Prozent. Für die CDU unter Bundesparteifreund Merz ein willkommener Erfolg, der die Regierungsbildung in Berlin flügelt.

«Das Wallis muss kritikfähiger werden»

Matthias Sander (Interview mit Marie-Claude Schöpfer)
Politische Aufarbeitung einer Katastrophe – und das Porträt eines Kantons, der sich schwer damit tut
Die Walliser Grossrätin Marie-Claude Schöpfer spricht über die Brandkatastrophe von Crans-Montana und die zähe politische Aufarbeitung. Die Zahlen sind erdrückend: 10 Millionen Franken Soforthilfe stehen geschätzten 800 Millionen Franken Gesamtschaden gegenüber. Schöpfer beschreibt ein Wallis, das sich mit Selbstkritik schwertut: Lokale Seilschaften, eine Kultur des Schweigens und politische Strukturen, die Aufklärung eher behindern als fördern. Die Opferfamilien wollen, dass die Politik «Farbe bekennt» – doch zwischen Solidaritätsbekundungen und konkretem Handeln klafft eine Lücke. Das Interview ist auch ein Porträt einer Politikerin, die sich gegen den Strom stellt.

KI und die Architektur des Wohlstands

Winfried Koeniger, Martin Kolmar (Gastkommentar)
Seltener Gastkommentar, der KI nicht als Technologie-, sondern als Institutionenfrage begreift
Die beiden Ökonomen Koeniger und Kolmar von der Universität St. Gallen gehen über die übliche KI-Debatte hinaus. Statt über Produktivitätsgewinne oder Arbeitsplatzverluste zu spekulieren, fragen sie nach den institutionellen Voraussetzungen: Was passiert mit einer Marktwirtschaft, deren Wohlstandsversprechen auf Erwerbsarbeit aufgebaut ist, wenn KI grosse Teile dieser Arbeit übernimmt? Die Autoren argumentieren, dass die «Architektur des Wohlstands» – Sozialversicherungen, Steuermodelle, Eigentumsrechte – auf einer Welt fusst, in der menschliche Arbeit der zentrale Wertschöpfungsfaktor ist. Wenn KI diese Grundlage unterhöhlt, braucht es nicht bloss neue Regulierung, sondern einen Umbau der institutionellen Konstruktion moderner Volkswirtschaften. Ein dichter, anspruchsvoller Text, der die strategische Tragweite der KI-Revolution jenseits von Silicon-Valley-Euphorie ausleuchtet.